Religion als Faktor der Radikalisierung? Ergebnisse des Forschungsprojekts jetzt in einer Podcastreihe veröffentlicht

Universität Osnabrück

Welches religiöse Selbstbild weisen radikalisierte beziehungsweise radikalisierungsgefährdete junge Muslime auf? Das wurde in einem Verbundprojekt des Instituts für Islamische Theologie (IIT) der Universität Osnabrück und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld untersucht. Um die Ergebnisse des Forschungsprojektes trotz der Covid-19-bedingten Absage der Abschlusstagung einer interessierten Öffentlichkeit nahe zu bringen, hat das Forschungsteam die Podcastreihe „Religion als Faktor der Radikalisierung?“ erarbeitet.

Zu den großen innenpolitischen Themen der vergangenen zehn Jahre zählt der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus, der insbesondere durch die Kriegsszenarien in Syrien und Irak befeuert wurde. Neben geheimdienstlichen und polizeilichen Abwehrmaßnahmen spielte hierbei auch die Prävention gegen Radikalisierung eine wachsende Rolle. „Diese kann nur dann wissensbasiert gestaltet werden, wenn die Wirkfaktoren in Radikalisierungsprozessen hinlänglich bekannt sind“, erläutert Dr. Michael Kiefer, Leiter des Osnabrücker Teilprojekts das Vorgehen.

In dem ‚Forschungsnetzwerk Radikalisierung durch Prävention‘ (FNRP) stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, welches religiöse Selbstbild radikalisierte beziehungsweise radikalisierungsgefährdete junge Muslime aufweisen. „Ziel war es, wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welcher mögliche Einfluss ‚Religion als Faktor der Radikalisierung‘ zukommt.“, so Kiefer.

In den weiteren Analysen zeigte sich, dass die gewaltaffine islamistische Szene eine hohe Heterogenität und Bandreite aufweist. Auf der einen Seite können radikalisierte Jugendliche beobachtet werden, die über nur geringe Islamkenntnisse verfügen und eher zufällig und temporär in islamistische Netzwerke geraten sind. Auf der anderen Seite gibt es aber auch ideologisch und religiös gut ausgebildete Kaderpersönlichkeiten, die sich auf einen langen Kampf eingestellt haben. Solche Kaderpersönlichkeiten finden sich zum Beispiel in tschetschenischen Milieus. „Mitglieder der erstgenannten Gruppe können durchaus durch Repression und sozialarbeiterische Maßnahmen aus der Szene herausgelöst werden. Die angeführten Kaderpersönlichkeiten stellen hingegen ein dauerhaftes Gefahrenpotential dar“, so der Osnabrücker Wissenschaftler.

Erste Projektergebnisse sind in dem bereits zu Jahresbeginn erschienenen Sammelband „Aspekte von Radikalisierungsprozessen. Fallgestützte Studien“ zu finden. Weitere Ergebnisse finden sich in einer praxisorientierten Handreichung. Beides steht nun mit den Podcasts auf der Homepage des Instituts für Islamische Theologie (IIT) an der Universität Osnabrück zum kostenfreien Download zur Verfügung.

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