In Afrika wird es enger – Pressemitteilung zum Weltbevölkerungstag am 11. Juli

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums dürfte Subsahara-Afrika von etwa 2030 an trotz seiner großen Wüsten und Regenwaldgebiete dichter besiedelt sein als alle Länder der Erde im Durchschnitt.

Bis 2050 wird die Weltbevölkerung jährlich im Mittel um 69 Millionen Menschen zunehmen. Hinter dieser Zahl stehen in erster Linie die stark wachsenden Bevölkerungen Asiens und Afrikas. Insbesondere die Länder südlich der Sahara erweisen sich im 21. Jahrhundert, wenn auch in anderem als dem ursprünglichen Sinne, als „Wiege der Menschheit“. Hier ist die Fertilitätsrate weltweit am höchsten: Frauen bekommen im Durchschnitt 4,75 Kinder. Damit ist Subsahara-Afrika auf dem Weg, seine Bevölkerungszahl bis zur Mitte des Jahrhunderts auf über 2 Milliarden zu verdoppeln.

In Asien hingegen ist die Fertilitätsrate bereits seit Mitte der 1960er Jahre stark gesunken und dürfte schon bald den bestandserhaltenden Wert von 2,1 Kindern pro Frau unterschreiten. Trotzdem wird die Bevölkerung dort noch über Jahrzehnte weiter wachsen: Da in der Vergangenheit viele Kinder geboren wurden, gibt es noch einige Jahrzehnte lang viele Frauen im reproduktiven Alter, die in der Summe für Bevölkerungswachstum sorgen, selbst wenn jede Einzelne von ihnen nur noch zweimal Mutter wird. Dieser demografische Trägheitseffekt führt dazu, dass Asiens Bevölkerungsgröße bis 2050 von heute 4,5 auf 5,3 Milliarden Menschen zunehmen wird.

Und wo es voller wird, wird es auch enger: Asien ist seit langem der am dichtesten besiedelte Kontinent. Allein seit den 1950er Jahren hat sich die Zahl der Menschen pro Quadratkilometer verdreifacht. Teilten sich damals noch knapp 45 Menschen einen Quadratkilometer, waren es 2015 bereits 142. In Europa stieg die Dichte im gleichen Zeitraum von 25 auf 34 Menschen pro Quadratkilometer. Bis Mitte des Jahrhunderts dürfte die Bevölkerungsdichte in Asien weiter, auf 170 Menschen pro Quadratkilometer, ansteigen, während in Europa nur geringfügige Veränderungen zu erwarten sind. In Subsahara-Afrika hingegen ist die stärkste Veränderung der Bevölkerungsdichte zu erwarten: 1950 war die Region mit nur 8 Menschen pro Quadratkilometer äußerst dünn besiedelt. Dies war ein Grund dafür, warum sich internationale Investoren in der Nachkriegszeit wenig für den Kontinent interessierten und sich stattdessen auf das menschenreiche Asien konzentrierten. Doch kurz nach dem Millenniumswechsel hatte die Region bereits die Bevölkerungsdichte Europas erreicht. Bis 2015, innerhalb von nur 65 Jahren, hat sich die Zahl der Menschen pro Quadratkilometer auf 44 mehr als verfünffacht und liegt damit auf dem asiatischen Niveau der 1950er Jahre. Bis zur Mitte des Jahrhunderts dürfte sich die Bevölkerungsdichte in Subsahara-Afrika noch einmal mehr als verdoppeln, auf dann rund 100 Menschen pro Quadratkilometer.

Ob die darüber hinausgehenden Langfristszenarien der Vereinten Nationen eintreffen, ist hingegen fraglich. Demnach hätte Afrika als Ganzes im Jahr 2100 die fünffache Bevölkerungsdichte von Europa. Angesichts des heutigen Entwicklungsstandes erscheint ein ganz anderer Verlauf wahrscheinlicher, so Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. „Viele Afrikaner könnten gezwungen sein abzuwandern, im schlimmsten Fall könnten auch Konflikte, Hungersnöte und Epidemien das Wachstum bremsen.“ Allein angesichts derartiger Szenarien mahnt er, das Bevölkerungswachstum müsse zurück in die Köpfe der Politikgestalter – und zwar nicht nur einmal jährlich am Weltbevölkerungstag.

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