Wir sprechen langsamer, wenn wir ein Nomen gebrauchen, und schneller bei Verben

Universität zu Köln

Wie schnell wir sprechen, hängt von den eingesetzten Wortarten ab: Sprecherinnen und Sprecher verlangsamen ihren Redefluss meist vor Substantiven, vor Verben hingegen viel weniger. Das hat eine Studie unter Erstautorschaft von Dr. Frank Seifart, Institut für Linguistik der Universität zu Köln, anhand neun unterschiedlicher Sprachen erstmals belegt. Das Paper wurde in PNAS veröffentlicht.

Wir sprechen langsamer, wenn wir ein Nomen gebrauchen, und schneller bei Verben
Sprachwissenschaftler Frank Seifart zeigt mit einem internationalen Team, dass die Verwendung von Substantiven über Sprachen hinweg unsere Sprechgeschwindigkeit drosselt.

Wie schnell wir sprechen, hängt von den eingesetzten Wortarten ab: Sprecherinnen und Sprecher verlangsamen ihren Redefluss meist vor Substantiven, vor Verben hingegen viel weniger. Das hat eine Studie unter Erstautorschaft von Dr. Frank Seifart, Institut für Linguistik der Universität zu Köln, anhand neun unterschiedlicher Sprachen erstmals belegt. Das Paper wurde in PNAS veröffentlicht.
Verlangsamungseffekte wie kurze Pausen oder Verzögerungswörtchen wie „Ähh“ liefern wichtige Hinweise darauf, wie unser Gehirn die Sprache verarbeitet. Sie weisen auf Schwierigkeiten bei der Planung der Äußerung eines bestimmten Wortes hin.
Das Forscherteam analysierte hunderte von Gesprächsaufnahmen von sprachlich und kulturell unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus der ganzen Welt, darunter Sprachen aus dem Amazonas-Regenwald, aus Sibirien, dem Himalaja und der Kalahari-Wüste, aber auch Englisch und Niederländisch. In den Tonaufnahmen hatten die Linguistinnen und Linguisten Verlangsamungseffekte vor Substantiven wie „Freund“ und Verben wie „kommen“ untersucht. Sie maßen die Äußerungsgeschwindigkeit in Lauten pro Sekunde und stellten fest, ob die Sprechenden eine kurze Pause machen.
Frank Seifart sagt: „Uns hat besonders erstaunt, dass sich trotz großer Variation in der lokalen Sprechgeschwindigkeit doch ein deutlicher Effekt von Nomengebrauch auf Sprechgeschwindigkeit abzeichnet, und das über neun Sprachen hinweg, die sich stark voneinander unterscheiden. Der Grund dafür ist, dass Substantive schwieriger zu planen sind, weil sie normalerweise nur verwendet werden, wenn sie neue Informationen beinhalten.“
Beinhalten Nomen bekannte Informationen, werden sie oft durch Pronomen ersetzt oder komplett weggelassen, wie im Beispiel: „Meine Freundin kam zurück. Sie (meine Freundin) nahm Platz“ oder „Meine Freundin kam zurück und (-) nahm Platz“. „Solche Ersetzungsprinzipien gelten nicht für Verben, da Verben in der Regel unabhängig davon verwendet werden, ob sie neue oder alte Informationen tragen“, erklärt Seifart.
Balthasar Bickel, Ko-Autor von der ETH Zürich, sagt: „Unser Ergebnis hilft zu verstehen, wie das menschliche Gehirn Sprache verarbeitet. Künftig muss sich die neurowissenschaftliche Forschung systematischer mit dem Informationswert von Wörtern im Gespräch auseinandersetzen und wie das Gehirn auf Unterschiede in diesen Werten reagiert.“ Es sei wichtig, für diese Fragen mehrere Sprachen zu berücksichtigen einschließlich kleinerer, oft gefährdeter.
Ein Verständnis dessen, wie Sprachen natürlich funktionieren, wird immer wichtiger angesichts der Herausforderungen, vor denen die sprachliche Kommunikation im digitalen Zeitalter steht. Künstliche Systeme, mit denen wir bereits jetzt kommunizieren, verlangsamen ihr Tempo bisher nicht vor Substantiven, wie der Mensch es macht. Um eine natürliche Wirkung erzielen zu können, bedarf es einer präzisen Beschreibung menschlichen Sprechens.

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