Hilfsbereite Nachbarn – das ist Nürnberg

Technische Hochschule Nürnberg

Große empirische Studie der Stadt Nürnberg in Kooperation mit der TH Nürnberg zeigt: 90% der Nürnbergerinnen und Nürnberger leben gerne in ihrer Nachbarschaft

Anwendungsorientiert und mit einem überraschenden Ergebnis: Die Forschungsergebnisse der TH Nürnberg machen deutlich, wie sehr sich die Nürnbergerinnen und Nürnberger nachbarschaftlich unterstützen. Die Bereitschaft ist deutlich höher als erwartet.
Prof. Dr. Doris Rosenkranz und Prof. Dr. Sabine Fromm von der Fakultät Sozialwissen-schaften haben untersucht, wie die Nürnbergerinnen und Nürnberger ihre Nachbarschaft sehen, wie gerne sie dort leben, unter welchen Voraussetzungen sie sich helfen und diese Hilfe auch selber annehmen.

Nürnberg, 9. Februar 2018. In 10.000 Fragebögen haben die Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Sabine Fromm und Prof. Dr. Doris Rosenkranz der TH Nürnberg in einer großen empirischen Studie im Auftrag des Seniorenamts der Stadt Nürnberg erstmals in Deutschland untersucht, wie Nachbarschaften funktionieren.

Die zufällig ausgewählten Nürnberger Haushalte wurden befragt, wie die Nürnbergerinnen und Nürnberger ihre Nachbarschaft sehen und wie gerne sie dort leben. Die Wissenschaftlerinnen interessierte: Helfen Nachbarn in Nürnberg einander im Alltag und wovon hängt diese Hilfe ab? Wann sind die Bürgerinnen und Bürger bereit, Hilfe von Nachbarn auch anzunehmen? Für die Stadt Nürnberg besonders interessant: Mit welchen konzeptionellen Ansätzen kann eine Stadtverwaltung gute Nachbarschaft stärken?

Am 2. Februar 2018 haben Prof. Dr. Sabine Fromm und Prof. Dr. Doris Rosenkranz die zentralen Ergebnisse der Studie vorgestellt, gemeinsam mit dem Nürnberger Referenten für Jugend, Familie, Soziales, Stadtrat Reiner Prölß sowie dem Leiter des Seniorenamtes der Stadt Nürnberg, Dieter Rosner und seinem Stellvertreter, Klaus Schmitz.

Um der komplexen Fragestellung gerecht zu werden, haben Prof. Dr. Doris Rosenkranz und Prof. Dr. Sabine Fromm zwei Forschungsmethoden kombiniert: „Die 10.000 zufällig ausgewählten Haushalte in Nürnberg erhielten per Post einen umfangreichen Fragebogen, in dem sie ihre Sicht auf ihre Nachbarschaft darstellen konnten. Zudem haben wir Interviews mit zahlreichen Experten durchgeführt und ausgewertet“, so Prof. Dr. Rosenkranz. Prof. Dr. Sabine Fromm fasst ein zentrales Ergebnis zusammen: „Nachbarn helfen einander im Alltag viel mehr, als wir erwartet haben. Bei vielen Menschen, die bisher wenige Nachbarschaftskontakte haben, ist das Interesse groß, ihre Nachbarn kennenzulernen.“
Ein wichtiger Aspekt ist, ob sich das Engagement einschätzen lässt: „Je besser Menschen wissen, wie lange die Hilfe dauert und was sie konkret tun sollen, umso eher sind sie bereit, den Nachbarn auch zu helfen“, so Prof. Dr. Doris Rosenkranz.

Welche Bedeutung Nachbarschaft im Alltag einnimmt, ist nicht nur ein Thema des privaten Lebensstils. Die städtische Umgebung, in der nachbarschaftliche Beziehungen gelebt werden können, adressiert das gesellschaftliche Miteinander. Dieter Rosner, Leiter des Seniorenamts der Stadt Nürnberg, sieht in der Studie interessante Hinweise für die Unterstützung und Konzeption dieser freiwilligen Gestaltungsaufgabe der Kommunen: „In unserer quartiersbezogenen Seniorenarbeit wollen wir auch die Nachbarschaftshilfe stärker in den Blick nehmen. Im Bericht der TH Nürnberg finden wir viele gute Anhaltspunkte dafür, beispielsweise in welchen Stadtteilen besondere Potenziale bestehen und mit welchen Maßnahmen wir dabei ansetzen können. Das werden wir auch mit den Akteuren vor Ort gemeinsam diskutieren.“

Überblick der zentralen Ergebnisse der Studie:

1. Nachbarschaftliche Beziehungen allgemein
Über 90 % der Befragten leben gerne oder sehr gerne in ihrer Nachbarschaft. Zugleich hat etwa die Hälfte der Befragten keinen näheren Kontakt zueinander. Das ist liegt vielfach nicht an mangelndem Interesse, sondern an fehlenden Gelegenheiten. Vor allem in den innerstädtischen Gebieten haben viele Menschen kaum Kontakte zu ihren Nachbarn. Dort wünschen sich viele Befragte Aktivitäten oder Treffpunkte, um mit Nachbarn in Kontakt zu kommen.

2. Nachbarschaft und andere soziale Netzwerke
Die meisten Befragten sind gut in private soziale Netze eingebunden und haben wenig Bedarf an (zusätzlicher) Unterstützung. Nachbarschaftshilfe hat eher eine ergänzende als eine kompensatorische Funktion. Die größte Bedeutung hat nachbarschaftliche Hilfe für ältere Bürgerinnen und Bürgern, von denen rund ein Drittel angibt, durch Nachbarn ab und zu unterstützt zu werden.

3. Verbreitung und Formen informeller nachbarschaftlicher Hilfen in Nürnberg
Etwa 70 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr mindestens einmal ihre Nachbarn mit kleineren Hilfen unterstützt. Als Beispiel genannt wurde die Annahme eines Pakets, Hilfen beim Einkaufen, Blumengießen während eines Urlaubs etc.

4. Bedingungen informeller nachbarschaftlicher Hilfen
Für die meisten Befragten ist es wichtig, den zeitlichen Aufwand von vorneherein zu überblicken. Wenn der Zeitaufwand kalkulierbar ist, bieten die Befragten eher Hilfe an und leisten sie.
Von großer Bedeutung ist zudem der Wunsch, durch die Hilfen keine dauerhaften Verpflichtungen eingehen zu müssen.

5. Wie kann die Stadt die Stärkung einer guten Nachbarschaft unterstützen?
Gute Nachbarschaft lässt sich nicht verordnen, aber gute Rahmenbedingungen ermöglichen ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft.
Viele Befragte wünschen sich mehr Gelegenheiten, ihre Nachbarn kennenzulernen, konkrete Ansprechpartner zu haben und mehr Informationen über ihren Stadtteil zu erhalten – gerne auch digital im Internet oder über Online-Plattformen.
Initiativen, wie Auszeichnungen und Prämien für engagierte Nachbarschaften, könnten ebenfalls einen Anreiz bieten, sich für seine Nachbarschaft einzusetzen.

Die Ergebnisse des Projekts werden Ende Februar in einer Expertenrunde mit Vertretern aus Sozialverwaltung und freier Wohlfahrtspflege vorgestellt. Die Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich noch in 2018 in einem Buch veröffentlicht.
Informationen zum Projekt: http://www.nachbarn-in-nuernberg.de

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