Geheime Fotos: Stalin aus der Perspektive seiner Gefolgsleute

Marion Schlöttkelogo-historie
Zentrum für Zeithistorische Forschung

„Fotografie in Diktaturen“: Neue Ausgabe der „Zeithistorischen Forschungen“ online und gedruckt erschienen

Wo verlaufen in Diktaturen die Grenzen zwischen privater und öffentlicher Fotografie? Wie wirkt sich der Übergang von Diktaturen zu Demokratien auf die fotografische Praxis aus? Welche Formen von Bildkontrolle und Bildsteuerung gibt es jeweils? Die gerade neu erschienene Ausgabe der Zeitschrift „Zeithistorische Forschungen“ (Heft 2/2015) geht anhand von Fallbeispielen aus der Sowjetunion, aus Deutschland, Japan, Argentinien und Ungarn der Frage nach, was Fotografie in Diktaturen von Fotografie in einer Demokratie unterscheidet.

So erläutert Jörg Baberowski Fotos, die Stalin in den frühen 1930er Jahren aus der Perspektive seiner Gefolgsleute zeigen – Bilder, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, teilweise kurios wirken und gleichzeitig Dokumente stalinistischer Herrschaftspraxis sind.

Eszter Kiss schildert, wie im Ungarn der 1980er Jahre ein neues, hochwertiges Magazin aufgebaut wurde, das sich am „Stern“ als westlichem Vorbild orientierte. Sie beschreibt, zu welchen Konflikten um Personen, Themen und Darstellungsformen dies führte.

Andrea Germer stellt anhand von Motiv-Vergleichen dar, wie die japanische Auslandspropaganda während des Zweiten Weltkriegs sowjetische Gestaltungskonventionen des sozialistischen Realismus adaptierte und transformierte.

Sarah Goodrum analysiert, wie in der DDR 1967 eine sozialistische Gegen-Ausstellung zur berühmten amerikanischen Ausstellung „The Family of Man“ von 1955 entstand, konzipiert von Rita Maahs und Karl-Eduard von Schnitzler.

Herausgegeben haben den aktuellen Themenschwerpunkt Annette Vowinckel und Jan-Holger Kirsch vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam sowie Michael Wildt (Humboldt-Universität zu Berlin).

Zur Onlineausgabe der Zeitschrift Zeithistorische Forschungen
http://www.zeithistorische-forschungen.de

Weitere Informationen
Dr. Jan-Holger Kirsch
Verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Zeithistorische Forschungen
Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am Neuen Markt 1
D-14467 Potsdam
Tel.: ++49 (0)331/28991-18
E-Mail: kirsch@zzf-pdm.de
Internet: http://www.zeithistorische-forschungen.de

Abonnements, Einzelhefte und Rezensionsexemplare sind erhältlich bei:

HGV Hanseatische Gesellschaft für Verlagsservice mbH
Holzwiesenstr. 2
72127 Kusterdingen
Tel.: ++49 (0)7071/9353-16
Fax: ++49 (0)7071/9353-93
E-Mail: v-r-journals@hgv-online.de

Die „Zeithistorischen Forschungen“ werden am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam herausgegeben von Frank Bösch, Konrad H. Jarausch und Martin Sabrow. Die Zeitschrift erscheint dreimal jährlich gedruckt im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht und zugleich im Open Access.

Weitere Informationen zum Thema Fotografie und Bildforschung finden Sie auf dem Online-Portal http://www.visual-history.de.


Weitere Informationen:

http://www.zeithistorische-forschungen.de – Zeithistorische Forschungen im Open Access
http://www.zzf-pdm.de – Website des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam
http://www.v-r.de – Website des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht


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Ein Gedanke zu “Geheime Fotos: Stalin aus der Perspektive seiner Gefolgsleute

  1. Mit diesem fast heiter anmutenden, ideologischen Verwirrspiel wird dem unbedarften Wohlstandsbürger der Eindruck suggeriert, als sei in totalitären Regimes auch die Privatsphäre gewahrt geblieben und man habe in Demokratien wie den USA oder der unsrigen nicht viel weniger zu befürchten.
    Dabei wird völlig unterschlagen, dass in kommunistischen Diktaturen bereits unter Lenin, Trotzki, Dserschinski die Entmündigung des Bürgers; somit Zerstörung der Privatsphäre dem Machterhalt diente.

    Unter Stalin hatte totale Überwachung bis hinein in die Familien einen einzigartigen singulären Stand erreicht.
    Telefone haben nur wenige Funktionsträger besessen, die ebenso wie öffentliche Telefonzellen pausenlos abgehört werden konnten. Der Besitz von Fotoapparaten galt als besonderes Privileg.
    Kleinste systemkritische Anmerkungen führten zu Ausgrenzung, Schauprozessen, Gulag oder Erschießungen.

    Auf dieser Basis wurden im „Großen Terror“ der 30er Jahre mehr als eine Dreiviertelmillion Sowjetbürger, darunter fast das gesamte sowjetische Offizierskorps, als „Volksfeinde“, „Verräter“, „Agenten“ usw. „liquidiert.
    Auch die jüdisch sowjetische Intelligenz fiel dieser Gewaltherrschaft zum Opfer.
    Die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft kostete 20 Millionen Menschen das Leben.

    In den staatlichen Medien galten diese Megaverbrechen als „Befreiung des Proletariats“ von Ausbeutung und Unterdrückung.

    Nach Stalins Tod leitete der XX. Parteitag der KPdSU im Jahr 1956 eine kurze Phase politischen „Tauwetters“ ein, welche mit dem Sturz Chruschtschows im Herbst 1964 endete.
    Es setzten eine verfeinerte Politik der Einschränkungen, Verbote bis zu Verhaftungen ein.
    Sowohl Medien, Kultur nebst Kunst sind von der „Staatsmacht“ vereinnahmt worden.

    Vor diesem düsteren Hintergrund erscheint die Mär vom singulären Charakter des NS-Regimes nahezu grotesk.

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